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Das jüdische Festjahr

Viele Feste und Traditionen des Christentums sind ohne ihre jüdischen Wurzeln nicht zu verstehen. Jesus, seine Jüngerinnen und Jünger sowie die ersten christlichen Gemeinden lebten im Rhythmus des jüdischen Festjahres. Wer die jüdischen Feiertage kennt, gewinnt deshalb auch ein tieferes Verständnis der Bibel und der Ursprünge des christlichen Glaubens.

Die jüdischen Feiertage richten sich nach dem jüdischen Mond-Sonnen-Kalender. Daher fallen sie im gregorianischen Kalender jedes Jahr auf andere Tage. Im jüdischen Kalender liegen sie jedoch grundsätzlich auf demselben Datum. Anders als ein reiner Mondkalender bleibt das jüdische Festjahr durch regelmäßige Schaltmonate mit den Jahreszeiten verbunden: Pessach bleibt ein Frühlingsfest, Schawuot ein Frühsommerfest und Sukkot ein Herbstfest.

Die Monate des jüdischen Kalenders

Jüdischer MonatUngefähr im gregorianischen Kalender
NisanMärz / April
IjarApril / Mai
SiwanMai / Juni
TammusJuni / Juli
AwJuli / August
ElulAugust / September
TischriSeptember / Oktober
CheschwanOktober / November
KislewNovember / Dezember
TewetDezember / Januar
SchewatJanuar / Februar
AdarFebruar / März

In jüdischen Schaltjahren wird ein zusätzlicher Monat eingefügt. Der Monat Adar wird dann in Adar I und Adar II aufgeteilt. Adar I liegt ungefähr im Februar, Adar II im Februar oder März. Die Schaltmonate sorgen dafür, dass die jüdischen Feiertage in ihren jeweiligen Jahreszeiten bleiben.

Obwohl das jüdische Neujahrsfest Rosch ha-Schana am 1. Tischri im Herbst gefeiert wird, beginnt die biblische Festfolge mit dem Frühlingsfest Pessach im Monat Nisan. Der jüdische Kalender kennt also unterschiedliche Jahresanfänge für verschiedene religiöse und traditionelle Zwecke. Deshalb orientiert sich die folgende Übersicht am Ablauf des jüdischen Festjahres.

Hinweis zu den Datumsangaben: Jüdische Feiertage beginnen grundsätzlich am Vorabend bei Sonnenuntergang. Bei mehrtägigen Festen ist der Zeitraum einschließlich der Abendgrenzen angegeben. Die Termine für 2027 beziehen sich auf die Diaspora, in der manche Feiertage länger dauern als in Israel.

Pessach (15.–22. Nisan)

2027: Beginn am Abend des 21. April, Ende nach Einbruch der Nacht am 29. April

Pessach erinnert an den Auszug Israels aus der ägyptischen Sklaverei. Beim Sederabend wird die Befreiungsgeschichte erzählt und durch symbolische Speisen vergegenwärtigt. Ungesäuertes Brot, die Mazzen, erinnert an den eiligen Aufbruch aus Ägypten. Für Christinnen und Christen besitzt Pessach besondere Bedeutung, da die Evangelien das letzte Abendmahl Jesu in einen engen Zusammenhang mit diesem Fest stellen. Die genaue zeitliche Einordnung wird in den Evangelien allerdings unterschiedlich dargestellt. Die Themen Befreiung, Rettung und Neuanfang prägen bis heute beide Religionen.

Pessach Scheni (14. Ijar)

2027: 21. Mai

Pessach Scheni, das „zweite Pessach“, geht auf eine Regelung in der Tora zurück. Menschen, die das Pessachopfer zum regulären Zeitpunkt aus bestimmten Gründen nicht darbringen konnten, erhielten die Möglichkeit, dies einen Monat später nachzuholen. Das Fest erinnert daran, dass auch nach einer verpassten Gelegenheit ein neuer Anfang möglich sein kann.

Lag BaOmer (18. Ijar)

2027: 25. Mai

Lag BaOmer ist ein Freudentag in der Zeit zwischen Pessach und Schawuot. In dieser Zeit werden in vielen jüdischen Traditionen bestimmte Trauerbräuche gepflegt. Lag BaOmer unterbricht diese Zeit der Besinnung. Traditionell werden Lagerfeuer entzündet, Ausflüge unternommen und Feste gefeiert. Mit dem Tag verbinden sich verschiedene Überlieferungen, unter anderem die Erinnerung an den jüdischen Gelehrten Rabbi Schimon bar Jochai.

Schawuot (6.–7. Siwan)

2027: Beginn am Abend des 10. Juni, Ende nach Einbruch der Nacht am 12. Juni

Schawuot, das Wochenfest, wird am Ende der siebenwöchigen Omer-Zählung nach Pessach gefeiert. Es erinnert an die Gabe der Tora am Berg Sinai. Während Pessach die Befreiung Israels feiert, steht Schawuot für die Berufung und Weisung Gottes. In den Synagogen werden die Zehn Gebote gelesen. Wegen seines zeitlichen Zusammenhangs mit Pessach wird Schawuot häufig mit dem christlichen Pfingstfest verglichen. Beide Feste haben jedoch ihre eigene religiöse Bedeutung und Geschichte.

Fasten des 17. Tammus (17. Tammus)

2027: 22. Juli

Dieser Fasttag erinnert insbesondere an den Durchbruch der Jerusalemer Stadtmauer vor der Zerstörung des Zweiten Tempels. Er eröffnet eine dreiwöchige Trauerzeit, in der besonders an die Zerstörung Jerusalems und der Tempel erinnert wird. Diese Zeit lädt dazu ein, über Verlust, Leid und die Zerbrechlichkeit menschlicher Gemeinschaft nachzudenken.

Tischa beAw (9. Aw)

2027: Beginn am Abend des 11. August, Ende nach Einbruch der Nacht am 12. August

Tischa beAw ist einer der bedeutendsten jüdischen Trauertage. Er erinnert vor allem an die Zerstörung des Ersten Tempels im 6. Jahrhundert v. Chr. und des Zweiten Tempels im Jahr 70 n. Chr. Viele Gläubige fasten und lesen die Klagelieder Jeremias. Der Tag macht deutlich, wie wichtig Erinnerung und Hoffnung selbst in Zeiten tiefen Leids sind.

Tu beAw (15. Aw)

2027: 18. August

Nur wenige Tage nach Tischa beAw folgt mit Tu beAw ein Freudentag. Bereits in der Antike galt er als Tag der Begegnung und der Freude. Heute wird er unter anderem mit Liebe und Partnerschaft in Verbindung gebracht und mitunter als „jüdischer Valentinstag“ bezeichnet. Diese Bezeichnung ist ein moderner Vergleich, keine traditionelle offizielle Festbezeichnung.

Rosch ha-Schana (1.–2. Tischri)

2027: Beginn am Abend des 1. Oktober, Ende nach Einbruch der Nacht am 3. Oktober

Rosch ha-Schana bedeutet sinngemäß „Beginn des Jahres“ und ist das jüdische Neujahrsfest. Mit ihm beginnt das jüdische Jahr 5788. Das Schofar, ein traditionell häufig aus einem Widderhorn gefertigtes Blasinstrument, ruft die Menschen zur Besinnung und Umkehr. Die folgenden zehn Tage gelten als Zeit der Selbstprüfung und Vorbereitung auf den Versöhnungstag.

Fasten Gedalja (3. Tischri)

2027: 4. Oktober

Dieser Fasttag erinnert an die Ermordung des Statthalters Gedalja nach der babylonischen Eroberung Jerusalems. Gedalja war von den Babyloniern mit der Verwaltung eines Teils der zurückgebliebenen Bevölkerung betraut worden. Seine Ermordung führte zu weiterer Unsicherheit und Flucht. Der Fasttag erinnert an politische Gewalt und deren Folgen für eine Gemeinschaft.

Jom Kippur (10. Tischri)

2027: Beginn am Abend des 10. Oktober, Ende nach Einbruch der Nacht am 11. Oktober

Jom Kippur, der Versöhnungstag, gilt als der heiligste Tag des jüdischen Jahres. Fasten, Gebet und Selbstprüfung stehen im Mittelpunkt. Gläubige bitten Gott und ihre Mitmenschen um Vergebung und suchen einen neuen Anfang. Zur Versöhnung gehört dabei auch, eigenes Fehlverhalten gegenüber anderen Menschen anzuerkennen und, soweit möglich, Wiedergutmachung zu leisten. Schuld, Versöhnung und Erneuerung sind Themen, die auch im christlichen Glauben eine zentrale Rolle spielen.

Sukkot – Laubhüttenfest (15.–21. Tischri)

2027: Beginn am Abend des 15. Oktober, Ende nach Einbruch der Nacht am 22. Oktober

Während Sukkot errichten viele jüdische Familien Laubhütten, in denen sie Mahlzeiten einnehmen oder Zeit verbringen. Die Hütten erinnern an die Wüstenwanderung Israels nach dem Auszug aus Ägypten. Gleichzeitig ist Sukkot ein Ernte- und Wallfahrtsfest und Ausdruck der Freude über Gottes Fürsorge und die Gaben der Schöpfung.

Schemini Azeret (22. Tischri)

2027: Beginn am Abend des 22. Oktober, Festtag am 23. Oktober

Schemini Azeret, der „achte Versammlungstag“, schließt unmittelbar an das Laubhüttenfest an. Er ist ein eigenständiger Feiertag und betont die besondere Gemeinschaft zwischen Gott und seinem Volk. Obwohl er zeitlich eng mit Sukkot verbunden ist, besitzt er eine eigene religiöse Bedeutung.

Simchat Tora (23. Tischri in der Diaspora)

2027: Beginn am Abend des 23. Oktober, Festtag am 24. Oktober

Simchat Tora bedeutet „Freude an der Tora“. Der jährliche Zyklus der Toralesungen wird abgeschlossen und unmittelbar wieder neu begonnen. Mit Gesang und Tanz feiern die Gemeinden Gottes Wort als bleibende Orientierung für das Leben.

In Israel werden Schemini Azeret und Simchat Tora am selben Tag begangen. In der Diaspora, also auch in Deutschland, wird Simchat Tora einen Tag später gefeiert.

Chanukka (25. Kislew bis 2. Tewet)

2026: Beginn am Abend des 4. Dezember, Ende nach Einbruch der Nacht am 12. Dezember

Chanukka, das achttägige Lichterfest, erinnert an die Wiedereinweihung des Jerusalemer Tempels im 2. Jahrhundert v. Chr. nach dem Aufstand der Makkabäer. Nach jüdischer Überlieferung reichte das geweihte Öl für den Tempelleuchter auf wunderbare Weise acht Tage lang. Deshalb wird an jedem Abend eine weitere Kerze am Chanukkaleuchter entzündet. Eine zusätzliche Hilfskerze, der Schamasch, dient zum Anzünden der übrigen Lichter. Das Fest steht für Hoffnung, Glaubenstreue und das Licht in dunklen Zeiten.

Tu BiSchwat (15. Schewat)

2027: 23. Januar

Tu BiSchwat wird als „Neujahr der Bäume“ bezeichnet. Ursprünglich hatte der Tag eine Bedeutung für die Berechnung und Zuordnung von Baumfrüchten im jüdischen Religionsgesetz. Heute würdigt das Fest auch die Früchte der Erde und die Verantwortung des Menschen für die Schöpfung. Viele Menschen essen Früchte, die mit dem Land Israel verbunden sind, oder pflanzen Bäume. Damit wird die Verbundenheit von Mensch, Natur und Gott sichtbar.

Purim (14. Adar II)

2027: Beginn am Abend des 22. März, Ende nach Einbruch der Nacht am 23. März

Purim erinnert an die Rettung des jüdischen Volkes im Persischen Reich, wie sie im Buch Ester erzählt wird. Königin Ester setzte sich mutig für ihr Volk ein und vereitelte die Vernichtungspläne Hamans. Das Fest wird fröhlich gefeiert: mit Verkleidungen, Festmahlzeiten, Geschenken an Bedürftige und der Lesung der Esterrolle. Es erinnert daran, dass Hoffnung und Rettung auch in bedrohlichen Situationen möglich sind.

2027 ist ein jüdisches Schaltjahr. Deshalb wird Purim im Monat Adar II gefeiert. In einem gewöhnlichen jüdischen Jahr fällt Purim auf den 14. Adar.

Das jüdische Festjahr und der christliche Glaube

So begleitet das jüdische Festjahr die Gläubigen durch Zeiten der Freude und der Trauer, des Dankes und der Besinnung. Viele seiner Themen, von Befreiung und Hoffnung bis hin zu Umkehr und Versöhnung, prägen auch den christlichen Glauben bis heute.

Die jüdischen Feste erinnern daran, dass der Glaube nicht nur aus Worten besteht, sondern auch durch gemeinsames Feiern, Erzählen, Erinnern und Handeln lebendig wird. Wer die jüdischen Wurzeln des Christentums wahrnimmt, kann die biblischen Geschichten und die Entstehung des christlichen Glaubens in ihrem ursprünglichen Zusammenhang besser verstehen. Zugleich wird deutlich, wie wichtig der respektvolle Dialog zwischen Judentum und Christentum ist.


Mehr zu den Jüdischen Festen und Feiertagen sowie ausführlichere Informationen gibt es unter anderem beim Zentralrat der Juden. Wer genau wissen möchte, welches Fest wann gefeiert wird, findet die Datumsangaben auf chabad.org.